23.09.2021: AKOÖ unterstützt Krankenhauspersonal

Gesundheitsholding leugnet Personalmangel in Krankenhäusern:
AK sieht Missachtung der Leistungen der Beschäftigten

Schon vor der Corona-Krise wies die Arbeiterkammer OÖ darauf hin, was in den letzten Monaten deutlich sichtbar wurde: Es gibt zu wenig Personal in den oberösterreichischen Krankenhäusern. Eine Tatsache, die die Oberösterreichische Gesundheitsholding (OÖG) nun zu bestreiten versucht. Die zentrale Aussage ihres fragwürdigen Projekts namens „Erhebung des erforderlichen Pflegepersonaleinsatzes“: Es gibt keinen Personalmangel in Oberösterreichs Krankenhäusern. „Das ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten! Gerade die Pandemie zeigt, wie dringend eine Entlastung des Krankenhauspersonals notwendig wäre. Anstatt Projekte zu starten, die die Realität beschönigen, sollten die Verantwortlichen endlich zum Wohle der Beschäftigten handeln und mehr Pflegepersonal einstellen“, zeigt sich AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer verärgert. Er fordert eine Aufstockung des Pflegepersonals um 20 Prozent.
 Seit 2016 weist die Arbeiterkammer Oberösterreich darauf hin, dass es in den oberösterreichischen Krankenhäusern zu wenig Personal gibt. Das zeigten mehr als 200 Interviews mit Pflegebeschäftigten, unter anderem auch in den Häusern der Oberösterreichischen Gesundheitsholding. Die Corona-Pandemie verschärfte diese Situation drastisch. Die Beschäftigten im Gesundheitsbereich kämpfen nicht nur mit besonderen Herausforderungen wie Schutzausrüstung, Quarantäne und Testungen, aufgrund der ohnehin angespannten Personalsituation leisten sie auch zahlreiche Überstunden.
 Diese großartigen Leistungen werden von den Entscheidungsträgern nun aber völlig missachtet. Das Projekt „Erhebung des erforderlichen Pflegepersonaleinsatzes“ der Oberösterreichischen Gesundheitsholding hat zum Ziel, die bisherigen Aufgaben von Pflegebeschäftigten abzubilden und festzustellen, wie Einzeltätigkeiten in Zukunft neu verteilt werden können. Im Österreichvergleich liegt die OÖG in Sachen Personaleinsatz, laut eigener Aussage, im Durchschnitt. Die Aussagekraft des Vergleichs ist jedoch gering. Wenn als Messlatte andere Bundesländer genommen werden, die alle – laut Schilderung der Gewerkschaften – auch mit einer zu geringen Personalbesetzung kämpfen, dann ist der Durchschnitt kein großer Verdienst.
 Für AK-Präsident Kalliauer ist unverständlich, wie das Projekt zu einer besseren Situation in den Krankenhäusern führen soll: „Eine Entlastung der Beschäftigten kann unmöglich gelingen, wenn lediglich die Aufgaben zwischen den ohnehin zu knappen Personalposten verschoben werden.“ Dies sei ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten, deren Probleme scheinbar nicht ernst genommen werden, kritisiert Kalliauer.
 Wie dringend eine Entlastung der Pflegekräfte nötig wäre, zeigt eine Studie von Alexandra Gferer und Natali Gferer mit Unterstützung des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes: Fast jede/-r zweite Beschäftigte in der Gesundheits- und Krankenpflege in Österreich denkt aktuell an einen Berufsausstieg. „Anstatt weiter darauf zu beharren, dass alles gut ist, wie es ist, und Modelle zu basteln, die das belegen sollen, wäre es längst an der Zeit, an echten Verbesserungen zu arbeiten“, fordert Kalliauer und ergänzt: „Dazu gehört mehr qualifiziertes Pflegepersonal, aber auch mehr Unterstützungspersonal zur Entlastung.“ Ein Angebot der Arbeiterkammer zur Gründung einer Strategiegruppe wurde bis heute von der OÖG nicht angenommen.
Aus Sicht der Arbeiterkammer braucht es endlich eine arbeitsmarktpolitische Offensive, um mehr Menschen für die Arbeit im Krankenhaus zu gewinnen. Nur so kann die von der AK geforderte Personalaufstockung um 20 Prozent realisiert werden. Vor allem das Land OÖ, als Eigentümer der OÖG, ist nun gefordert, durch rasches Handeln und sinnvolle Investitionen die Missstände in der Gesundheits- und Krankenpflege so schnell wie möglich zu beseitigen.

 Medienkontakt:

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13.11.2020: Pressekonferenz zur Situation der Pflege während Corona

Am 12.11.2020 veranstaltete die ÖGB Fachgruppe für Gesundheits- und Sozialberufe eine vielbeachtete Pressekonferenz, um auf die prekäre Situation der Gesundheits- und Sozialberufe in den Oö. Krankenanstalten, Alten- und Pflegeheimen und bei den mobilen Diensten aufmerksam zu machen. KUK Zentralbetriebsratsvorsitzender Branko Novakovic und Stefan Bauer, Zentralbetriebsvorsitzender des Sozialhilfeverbands Linz-Land, machten auf die Situation der Beschäftigten aufmerksam.

Wenn die Gesundheits- und Sozialberufe als Schlüsselkräfte das Gesundheits- und Sozialwesen aufrecht erhalten sollen, dann brauchen sie im Gegenzug Rahmenbedingungen, die das ermöglichen. Sie brauchen die Gewissheit, dass ihre Kinder auch im Fall von Schul- und Kindergartenschließungen gut betreut werden. Sie brauchen die Gewissheit, dass die Pflege ihrer pflegebedürftigen Angehörigen im gemeinsamen Haushalt sichergestellt ist. Sie brauchen die Gewissheit, dass sie im Krankenhausalltag Atempausen einlegen können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Sie brauchen die Gewissheit, dass sie sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können und ausreichend Unterstützungspersonal für weitere Tätigkeiten zur Verfügung steht. Sie brauchen die Gewissheit, dass sie von der Politik gehört werden und sofort die Ausbildungsplätze aufgestockt werden.

Wir dürfen Ihnen hier eine Übersicht über die Berichterstattung zum Nachlesen zur Verfügung stellen: